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Umweltschutz vor Ort |
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Ein romantischer Gedanke, und hier und da zeigen Gemeinden Lust und Liebe und nutzen die Gegebenheiten, inmitten von Verkehr und Gewerbe eine Insel der Ruhe und des Verweilens zu schaffen.
Was, noch eine vermüllte Radau-Ecke für die Halbstarken? Mein Lieber, dafür haben wir weder Geld noch Lust, es reicht völlig zu, was ständig an den Bushaltestellen los ist. Und außerdem gibt es in Krumhermersdorf keine dazu geeignete Fläche, die Bachufer sind durchweg Privatgrundstücke. Lass mal die Kirche im Dorf und den Bach in seinem Bett!
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früher hier gefangen wurden - eigentlich schade, doch Fortschritt hatte halt seinen Preis. Im 20. Jahrhundert waren Fortschritt und Preis dafür erheblich: Trinkwasserleitung und Waschpulver erzeugten eine Menge Abwasser voller giftiger Laugen und Phosphate; der Bach musste es aufnehmen, zusammen mit den Färbe-Abwässern der Strumpffabriken. Mal kam rotes Wasser, mal blaues ... zur Mitte des Jahrhunderts waren nicht nur die Fische tot, sondern der ganze Bach.
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. Und zwar in den Bach - wohin auch sonst? Auch die vielen neuen WC's in den Häusern erzeugten mehr stinkende Brühe, als in den kleinen Klärgruben gesammelt werden konnte. Überall wurden Rohre zum Bach gelegt, an manchen Stellen sieht die Ufermauer heute noch wie gespickt aus!
Man sollte meinen, das reiche an Sünden ... Frohe Kindererlebnisse am Bach waren längst Geschichte, und schon die Jüngsten wussten Bescheid: Wer am Dorfbach spielt, kriegt Ausschlag. Übrigens brauchte man nicht besonders darauf hinzuweisen, der Gestank vertrieb die Kinder automatisch. Stück für Stück wurde darum der Bach in Rohre verlegt, wie es die großen Städte vormachten: Leipzigs Flüsse beispielsweise lagen im Stadtgebiet längst komplett unter der Erde. - Der Bach war tot, und seine Leiche würde demnächst entsorgt sein.
Natürlich kann ein Dorf auch ohne Bach leben. Auch ohne Wiesen, Wälder, Felder? Erst in den 80er Jahren begannen sich Leute zu fragen: Muss das so sein? - Im Oberdorf wurde ein Abwasserkanal gebaut und an eine große Klärgrube angeschlossen, Mittel- und Unterdorf mussten der Wende wegen noch eine ganze Weile warten. Dafür konnten sie jetzt die Umweltsünden der LPG öffentlich machen - und (offenbar nur sehr unwillig) wurden die Güllekanäle vom Dorfbach getrennt. Die Fabrik-Abwässer erledigten sich von selbst mit dem Industrie-Kahlschlag im Osten. Schließlich sorgten Wasserzähler in allen Haushalten und drastische Wasserpreise für merklich weniger Abwasser. - Und der Bach stinkt immer noch!
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Wenn wir das Problem ganz unvoreingenommen betrachten wollen, etwa mit den Augen des Weimarer Ministers Goethe (den faulen Pfuhl noch abzuziehn, das ... wär das Höchst-Errungene), dann würde uns selbst bei einem geruchsfreien Bach noch Verschiedenes fehlen: Forellen etwa, oder knorrige Erlen an ungezählten Bachwindungen und eine Bank unter der riesigen Trauerweide ...